Pressespiegel
zu "Dunkler Lippenstift macht seriöser": |
| Pressematerial:
Filmbilder und Text der Regisseurin: hier klicken |
| |
Tagesspiegel 12.11.2003
"…bitter-ironischer Blick auf weiblichen Bewerbungsmarathon…"
Mehr… |
| |
Süddeutsche Zeitung 14.11.2003
"… Halb verzweifelte Akademikerinnen im Bewerbungs-Stress,
beim Versuch, Supergirls in einem turbulenten Comic zu werden —
dem Leben." Mehr…
|
| |
epd medien Nr.98 13.12.2003
"…Nach den Originaltönen der Bewerbungsgespräche
hat Katrin Rothe comicartige Szenen gezeichnet und kann auf diese
Weise auch die komischen Aspekte solcher Gespräche ins Spiel
bringen…" Mehr…
|
| |
Schnitt #32 4/03
"…die Szenerie mutiert zu einer charmanten Melange
aus Ideal und Realität…" Mehr…
|
| |
fm4.orf.at
"…Die Momente, die engagierte und gutvorbereitete
Twens während ihrer Vorstellungstour erleben, hat Regisseurin
Rothe absurd in eine Art Doku-Soap gepackt. …" fm4.orf.at |
| |
www.crossingeurope.at
"…Rothes „Doku-Soap“ schildert eine
an sich ganz miserable Situation mit einer gehörigen Portion
absurden Humors…" www.crossingeurope.at |
| |
FAZ, 3.11.2003, www.faz.net
"…Auf originell-unterhaltsame Weise erzählt
"Dunkler Lippenstift macht seriöser" von Katrin Rothe
vom verzweifelten Vorstellungsmarathon zweier junger Akademikerinnen…"
FAZ, 3.11.2003, www.faz.net |
| |
www.verdi-publik.de 18.11.2003
"…Was junge Akademikerinnen bei ihrem verzweifelten
Vorstellungsmarathon zu hören und zu sehen kriegen…"
www.verdi-publik.de
18.11.2003 |
| |
Stuttgarter Zeitung 17.11.2003
"…Der Clou des Films sind freilich kurze Trickanimationen,
in denen die Bewerbungsgespräche nacherzählt werden…"
Mehr… |
| |
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
17.11.2003 "…schnörkellos und dicht an
der Lebensrealität…" Mehr…
|
| |
Kölner Stadt-Anzeiger 17.11.2003
"…Wenn die irritierte Silke zum Vorstellungsgespräch
in eine schmuddelige Küche geführt wird, wirkt ein kurzer
Comicstrip von dieser Szene überaus passend und kommentierend…"
Mehr… |
| |
(Jana Hensel) LVZ online 11.2003
"…Katrin Rothe schaut ihren Protagonistinnen über
die Schulter, wenn sie Bewerbungen schreiben…" Mehr…
|
| |
zitty 22/2003
"…eine ebenso interessante wie ihrem Thema zuim
Trotz unterhaltsame Dokumentation, die neben viel Realsatire einen
Eindruck davon vermitttelt, wie schwierig es ist, seine Würde
und Selbstachtung bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage zu bewahren." |
| |
Radio FRO: Frozine
Radiosendung zu "Crossing europe - Arbeitswelten" (MP3,
ca. 9 MB)
6.5.2004 |
| |
| |
|
| |
taz
19.10.2009"
Gar nicht lange her - doch
so weit weg (VON THOMAS TRAPPE)
"Die Ex bin ich" widmet sich der Hausbesetzer-Szene
im Berlin der Neunziger. Es geht um vergessene Ideale und die
eigene Identität.
Im Film dreht sich alles um den aufbrausenden Bert - doch der
ist schon tot.
Ab und an ist mal zu sehen, wie ein paar Geldscheine den Besitzer
wechseln. D-Mark-Scheine. Die Szenerie ist also nicht richtig
historisch, aber trotzdem aus einer Zeit, die so nicht mehr ist,
die 90er eben. Es gibt dann in "Die Ex bin ich" von
Regisseurin Katrin Rothe immer mal wieder diesen Aha-Effekt: Ach
ja, so war das damals, ach ja, das ist ja gar nicht so lange her.
Es geht um Hausbesetzer. Bert kommt kurz nach dem Mauerfall aus
Hildesheim nach Ostberlin, wohnt dort illegal mit neuen Freunden
aus dem Osten in einem zerfallenen Altbau. Die Zeiten sind so,
eine staatliche Gewalt gibt es gerade nicht, freien Wohnraum umso
mehr. Später, als die Ordnung wiederhergestellt ist, prügelt
sich Bert mit der Polizei, er kommt vor Gericht und schließlich
ins Gefängnis.
Als er entlassen wird, ist vieles wie früher, doch irgendwie
auch nicht. Berts Freunde haben sich mit der neuen staatlichen
Gewalt geeinigt und sind legale Bewohner der Häuser geworden,
mietfrei dürfen sie wohnen, wenn sie selbst mit Hand anlegen
bei der Sanierung. Aus Hausbesetzern sind Hausmeister geworden,
so jedenfalls sieht es Bert.
Nun dreht sich bei "Die Ex bin ich" zwar alles um Bert,
doch der ist da schon tot. Er bringt sich gleich in der ersten
Szene des Films um und erzählt seine Geschichte - als Zeichentrickfigur.
Parallel versuchen drei Exfreundinnen Berts, seinen Tod zu meistern:
Die genauso unsichere wie aufbrausende Anne (Maria Kwiatkowsky),
die Bert wohl am nächsten stand, will sich nicht so recht
entscheiden, ob sie sich in ihrem Irgendwie-Punk-Leben einrichtet
oder doch noch neu anfängt. Sandra (Frederike Kempter), die
Jura studiert und nicht dran denkt, sich dafür rechtfertigen
zu müssen. Und Brit, die sich als Kneipenbesitzerin durchs
Leben wurschtelt.
Von dem spannungsgeladenen Zusammenspiel der Schauspielerinnen
geht eine gewisse Beklemmung beim Zuschauen aus. Vor allem Anne
und Brit verkörpern Lebensmodelle, die nicht mehr so recht
in die nahenden neuen Zeiten passen werden, und sie ahnen das.
Wie überhaupt alle Szenen in diesem Film den Hauch des Melancholischen
tragen.
Dass Bert im Film nur als Comic-Strip vorkommt, macht "Die
Ex bin ich" erst recht außergewöhnlich . Vielleicht
war es für Regisseurin Katrin Rothe schlicht die billigste
Möglichkeit, zum Beispiel tränengasreiche Straßenschlachten
einigermaßen effektvoll auf den Bildschirm zu bringen.
Aber egal, ob hier aus der Not eine Tugend gemacht wurde - es
wirkt. Die Szenen sitzen und machen ganz nebenbei deutlich, worum
es geht: um Menschen, die alle auf ihre Art mit der Realität
hadern. Und Bert haderte derart, dass sein Leben im Nachhinein
am besten als Trickfilm erzählt ist.
Katrin Rothe, die auch das Drehbuch schrieb, widmet sich verlorenen
Idealen - einer Subkultur, die es so wohl nur in Berlin der Wendejahre
gab - und rechnet mit der Yuppisierung der Stadt ab. Das alles
tut der Film leise, subtil. Gerade deshalb ist es schade, dass
ihn das ZDF nachts um halb eins zeigt. Er hätte einen besseren
Platz verdient. |
| |
Berliner Zeitung,
15.9.2009 Nicht nur Steinewerfer und Autoanzünder
(Torsten Wahl) "Die Ex bin ich" - Regisseurin Katrin
Rothe reist mit Spielfilmdebüt in ihre Hausbesetzerzeit zurück
Im Viertel um die Kastanienallee in Prenzlauer Berg schließt
sich ein Kreis: Hier hat Katrin Rothe Anfang der 90er-Jahre in besetzten
Häusern gelebt, hier drehte sie voriges Jahr ihr Spielfilmdebüt
- nun wird "Die Ex bin ich" erstmals vorgeführt,
in der Volksbühne im Prater.
Der Film spielt nach der Wiedervereinigung, als sich die Wege der
Besetzer nach der Räumung der Mainzer Straße teilten.
Die einen schlossen Verträge ab, andere stiegen aus oder radikalisierten
sich. Katrin Rothe kennt diese Zeit aus eigenem Erleben. Die Thüringerin
war kurz nach der Wende nach Berlin gekommen. Sie studierte visuelle
Kommunikation und machte sich einen Namen mit der Verbindung von
Trickfilm und Dokumentation. Für die ZDF-Serie "Stellmichein"
bekam sie den Grimme-Preis.
Auch in ihrem Spielfilmdebüt setzt sie Trickfilm ein. Hausbesetzer
Bert spricht als Comicfigur aus dem Jenseits: Er hatte sich vor
einen Zug geworfen. Nach seinem Tod lernen sich drei Ex-Freundinnen
kennen, finden beim Streit um Berts Erbe zueinander und trennen
sich wieder. Die Figur der Anne (Maria Kwiatkowsky) weist Parallelen
zur Regisseurin auf: Auch sie zieht aus, um sich der Kunst widmen
zu können.
Mit ihrem Film, den das ZDF produzierte, will Katrin Rothe eine
Innensicht einer Szene zeigen, die oft auf Gewalttäter reduziert
wird. "Alternative sind doch nicht nur Hundepunks, Steinewerfer
und Autoanzünder - es gibt eine große Vielfalt an Lebensentwürfen",
sagt sie. Für Jüngere ist die Hausbesetzerzeit schon ferne
Vergangenheit. Als sie ihre Hauptdarstellerin Friederike Kempter
("Tatort") durch ein Wohnprojekt führte, war die
30-Jährige vor allem geschockt davon, dass die Bewohner ihre
Zimmer im Urlaub "freimelden" mussten, damit Gäste
einquartiert werden können.
Beim Schreiben des Drehbuchs suchte Katrin Rothe lange nach Wegen,
um ihre Figuren sympathisch wirken zu lassen, ohne sie zu glorifizieren.
Und auch um Ost-West-Konflikte ging es ihr. "Wir Ostler waren
viel zu naiv", sagt sie heute. Insgesamt ist es wohl ein Film
zwischen allen Stühlen geworden: Dem einen wird der Umgang
mit der Szene nicht kritisch genug sein - für andere viel zu
kritisch.
Bei der Premiere will Katrin Rothe nicht nur zurückblicken,
sondern mit Ex-Hausbesetzern wie dem Soziologen Andrej Holm diskutieren.
Für sie ist es normal, dass sich Viertel entwickeln und die
Jüngeren neue Quartiere entdecken. Sie selbst sieht sich als
"Wochenendhippie", fährt mit ihren beiden Kindern
gern im Campingbus aufs Land. Beruflich war sie gerade in Polen,
drehte mit Kurt Krömer und Steffen Möller eine Reisedokumentation.
Den 20. Jahrestag der Räumung der Mainzer Straße nächstes
Jahr würde sie gerne aufarbeiten - noch wird ein Auftraggeber
gesucht.
Premiere: Heute, 20 Uhr, Volksbühne im Prater, danach Diskussion.
TV: 19. Oktober, 0.40 Uhr, ZDF. |
| |
"Feinde und Zuchtmeister" Tagesspiegel
12.11.2003 (Silvia Hallenstein)
"… Unter dem Motto "Absolute Beginner —
der erste Job", im ZDF-Nachtprogramm montags noch bis mitte
Dezember zu sehen, hat der Dokumentarfilmer-Nachwuchs sieben filme
realisiert, — vom bitter-ironischen Blick auf weiblichen
Bewerbungsmarathon (Katrin Rothes "Dunkler Lippenstift macht
seriöser") bis zu den inneren Migrationsgeschichten
von "Westwärts" (Regie Ursula Gruber). Während
Katrin Rothe geschickt Trickfilmsequenzen einsetzt, um die oft
entscheidenden Momente zu erzählen, bei denen keine Kamerapräsenz
gestattet ist, durfte Andreas Pichler für "Call Me Babylon"
mit offizieller Erlaubnis in einem Amsterdamer Call-Center drehen…"
|
|
|
"… Am Montag zeigt das Kleine Fernsehspiel
Dunkler Lippenstift macht seriöser von Katrin Rothe, dem dritten
Film der Reihe. Halb verzweifelte Akademikerinnen im Bewerbungs-Stress,
beim Versuch, Supergirls in einem turbulenten Comic zu wereen —
dem Leben." "der Glanz
von Mainz" Süddeutsche Zeiutung 14.11.2003 (Claudia
Tieschky) |
|
|
… Erzählerisch gelungen ist auch "Dunkler
Lippenstift macht seriöser". Autorin Katrin Rothe kommt
vom Animationsfilm und integriert Trickfilmsequenzen ins Dokumentarische.
Sie erzählt von zwei jungen modernen Frauen iom Bewerbungsmarathon
um eine erste feste Stelle: Wie man sich darauf vorbereitet, wie
man in diese Gespräche geht und wieder aus ihnen herauskommt.
Auch dies ein gewöhnlich unsichtbares Feld im gesellschaftlichen
Leben. Nach den Originaltönen der Bewerbungsgespräche
hat Katrin Rothe comicartige Szenen gezeichnet und kann auf diese
Weise auch die komischen Aspekte solcher Gespräche ins Spiel
bringen. Der Ernst der Lage bekommt Leichtigkeit. "Fremdes
Leben" epd medien Nr. 98 13.12.2003 (Fritz Wolf) |
|
|
"…Anders bei Dunkler Lippenstift
macht seriöser von Katrin Rothe und Andreas Pichlers Call
Me Babylon, den beiden herausragenden Filmen der Reihe. Sie
beweisen, was für ein großer formaler Spielraum im Dokumentarischen
stecken kann, und treffen am genauesten den Zwiespalt der gegenwärtigen
Generation von Berufsanfängern, sich einerseits nach einem
festen Platz im Leben zu sehnen und diese Sehnsucht im Umkehrschluß
genauso schnell wieder in Frage zu stellen. Ruhelose Heimwerker
am eigenen Lebensentwurf.
Katrin Rothe begleitet zwei junge Frauen beim ganz normalen Bewerbungswahnsinn.
Inserate markieren, Zeugnisse kopieren, Bewerbung zur Post bringen.
Banges Warten. Zum Briefkasten gehen, Absage abholen, Nervenzusammenbruch.
Kommt es dann doch einmal zum Vorstellungsgespräch, verwandeln
sich die Protagonistinnen in Comicfiguren und die Szenerie mutiert
zu einer charmanten Melange aus Ideal und Realität."
Aktion Zukunft Schnitt #32
4/03 (Mark Stöhr) |
|
|
Jobsuche als Comic
"Kleines Fernsehspiel" im ZDF
Silke, 29 hat das Diplom in der Tasche und hat bereits praktische
Berufserfahrung gesammelt. Nun richtet sie im Fahrstuhl noch schnell
die Frisur. Ein prüfender Blick in den Spiegel — alles
scheint zu stimmen. Kann da beim bevorstehenden Bewerbungsgespräch
etwas schief gehen? Aber ja — wenn man nur wüßte,
was.
Vielleicht habe ich zu oft gelächelt, denkt Silke nach einem
wieder mal vergeblichen Vorstellungsgespräch. In einem Ratgeberbuch
hieß es schließlich, man solle nicht fröhlicher
sein als der Personalverantwortliche. Oder wars die Farbe des Lippenstifts?
"dunkler Lippenstift macht seriöser" hat Katrin Rothe
ihren ungewöhnlichen Dokumentarfilm genannt, weil genau das
einer Freundin als Tipp bei der Jobsuche mit auf den Weg gegeben
worden war. "Damals lachte ich darüber nur. Dennoch erschütterte
mich, wie das sonst selbstbewußte Mädchen sich verunsichern
ließ", sagt Katrin Rothe.
So ergeht es auch den beiden jungen Frauen, die Rothe in ihrem Film
von einem Bewerbungsgespräch zum nächsten begleitet. Neben
der Diplom-Kauffrau Silke, die sich um jedes Detail ihres Auftretens
Gedanken macht und auch ein Bewerbungstraining absolviert, ist das
Anne, 28, eine Diplom-Modedesignerin, die ein wenig verträumt
wirkt und eher spontan an die Sache herangeht. Immer wieder zieht
Anne Absagen aus ihrem Briefkasten, erhält Silke am Telefon
ernüchternde Nachrichten. Das Selbstbewußtsein der beiden
schwindet zusehends.
Der Clou des Films sind freilich kurze Trickanimationen, in denen
die Bewerbungsgespräche nacherzählt werden; denn die Kamera
war in diesen entscheidenden Momenten nicht dabei. Eine originelle
Idee, die bei aller Ernsthaftigkeit auch etwas von der unfreiwilligen
Komik solcher Gespräche vermittelt. Wenn die irritierte Silke
zum Vorstellungsgespräch in eine schmuddelige Küche geführt
wird, wirkt ein kurzer Comicstrip von dieser Szene überaus
passend. "Dunkler Lippenstift macht seriöser"
von Katrin Rothe ist der dritte Film in einer siebenteiligen Dokumentarfilm-Reihe
des "Kleinen Fernsehspiels", die sich mit dem Berufseinstieg
junger Menschen beschäftigt. 177 Vorschläge von Nachwuchsregisseuren
und -regisseurinnen waren beim ZDF eingereicht worden.…"
Stuttgarter Zeitung 17.11.2003 (Thomas Gehringer) |
|
|
Jobsuche mit der Kamera
Pfiffige Reportage aus dem Arbeitsleben
Auch ein glänzender Universitätsabschluß bietet
kaum eine Garantie für einen Arbeitsplatz. Von diesen leidvollen
Erfahrungen können Silke und Anne ein Lied singen. Die beiden
Endzwanzigerinnen aus Berlin sind als Volkswirtin und Modedesignerin
hoch motiviert und flexibel. Beide scheuen zwar kein Bewerbungsgespräch,
merken aber, wie mit der Quantität der Absagen das Selbstbewußtsein
sinkt. Als Silke zu einem Vorstellungsgespräch nach Frankfurt
eingeladen wird und Anne ein Praktikum angeboten wird. scheint sich
endlich das Blatt zu wenden.
Wie die Frauen mit der Situation umgehen lernen, erzählt Katrin
Rothe in "Dunkler Lippenstift macht seriöser" (0.20
Uhr, ZDF). Mit der Kamera hat sie die ehrgeizige Silke und die eher
verträumte Anne zwischen Hoffnung und Bangen begleitet. Dass
aus ihrer sehenswerten Doku keine traurige Sozialreportage geworden
ist, liegt am pfiffigen Zugang zum Thema. Schnörkellos und
dicht an der Realität hat Rothe den Ablauf von Bewerbungsgesprchen
per Animation aufbereitet. Das verleiht ihrer Beobachtung eine heitere
Note in tristen Zeiten. Westdeutsche
Allgemeine Zeitung 17.11.2003 (RB) |
|
|
Dunkler Lippenstift macht seriöser
Dokumentarfilm von Katrin Rothe
Silke, 29 hat das Diplom in der Tasche und hat bereits praktische
Berufserfahrung gesammelt. Nun richtet sie im Fahrstuhl noch schnell
die Frisur. Ein prüfender Blick in den Spiegel — alles
scheint zu stimmen. Kann da beim bevorstehenden Bewerbungsgespräch
etwas schief gehen? Aber ja — wenn man nur wüßte,
was.
Vielleicht habe ich zu oft gelächelt, denkt Silke nach einem
wieder mal vergeblichen Vorstellungsgespräch. In einem Ratgeberbuch
hieß es schließlich, man solle nicht fröhlicher
sein als der Personalverantwortliche. Oder wars die Farbe des Lippenstifts?
"dunkler Lippenstift macht seriöser" hat Katrin Rothe
ihren ungewöhnlichen Dokumentarfilm genannt, weil genau das
einer Freundin als Tipp bei der Jobsuche mit auf den Weg gegeben
worden war. "Damals lachte ich darüber nur. Dennoch erschütterte
mich, wie das sonst selbstbewußte Mädchen sich verunsichern
ließ", sagt Katrin Rothe.
So ergeht es auch den beiden jungen Frauen, die Rothe in ihrem Film
von einem Bewerbungsgespräch zum nächsten begleitet. Neben
der Diplom-Kauffrau Silke, die sich um jedes Detail ihres Auftretens
Gedanken macht und auch ein Bewerbungstraining absolviert, ist das
Anne, 28, eine Diplom-Modedesignerin, die ein wenig verträumt
wirkt und eher spontan an die Sache herangeht. Immer wieder zieht
Anne Absagen aus ihrem Briefkasten, erhält Silke am Telefon
ernüchternde Nachrichten. Das Selbstbewußtsein der beiden
schwindet zusehends.
Der Clou des Films sind freilich kurze Trickanimationen, in denen
die Bewerbungsgespräche nacherzählt werden; denn die Kamera
war in diesen entscheidenden Momenten nicht dabei. Eine originelle
Idee, die bei aller Ernsthaftigkeit auch etwas von der unfreiwilligen
Komik solcher Gespräche vermittelt. Wenn die irritierte Silke
zum Vorstellungsgespräch in eine schmuddelige Küche geführt
wird, wirkt ein kurzer Comicstrip von dieser Szene überaus
passend. "Dunkler Lippenstift macht seriöser"
von Katrin Rothe ist der dritte Film in einer siebenteiligen Dokumentarfilm-Reihe
des "Kleinen Fernsehspiels", die sich mit dem Berufseinstieg
junger Menschen beschäftigt. 177 Vorschläge von Nachwuchsregisseuren
und -regisseurinnen waren beim ZDF eingereicht worden.…"
Kölner Stadt-Anzeiger 17.11.2003 (Thomas
Gehringer) |
|
|
Irgendwie klappt nichts
Autorin Jana Hensel ("Zonenkinder") über "Dunkler
Lippenstift macht seriöser" von Katrin Rothe aus der ZDF-Reihe
"Absolute Beginner" "Jung,erfolgreich und entlassen"
titelte der SPIEGEL im letzten Jahr und erregte Aufsehen. Die porträtierten
Arbeitslosen passten in kein Klischee. Weder dass sie nur über
einen Hauptschulabschluß verfügten noch dass sie mit
einer Flasche Becks auf der Parkbank fotografiert wurden. Sie waren
jung, sahen gut aus und hatten in der ganzen Welt studiert. Denn
die Kündigungswelle hatte plötzlich auch die Elite erreicht,
junge Akademiker.
Vor allem Neueinsteiger haben es schwer, einen Arbeitsplatz zu finden.
Silke Korte und Anne Dettmer sind zwei davon. Sie haben gerade ihr
Studium abgeschlossen und sind auf Jobsuche. "Suche anspruchsvolle
Tätigkeit", haucht eine zu Beginn mit unsicherer Stimme
ins Telefon. Die Frau von der Personalabteilung wird sich ihr Teil
gedacht haben. Dettmer träumt als gelernte Modedesignerin von
einer kreativen Beschäftigung in einer Agentur. Die Diplomkauffrau
zieht es eher in die Marketingabteilungen großer Konzerne.
Katrin Rothe schaut ihren Protagonistinnen über die Schulter,
wenn sie Bewerbungen schreiben. Sie geht mit ihnen zum Friseur und
zur Post. Jeden Tag fängt sie die beiden vor dem Briefkasten
im Treppenhaus ab und hält mit der Kamera drauf, wenn enttäuscht
die negativen Antwortschreiben gelesen werden. Immer und immer wieder
die gleichen Bilder, die Frustation der jungen Frauen steigert sich.
Irgendwie klappt nichts.
Man traut es sich angesichts der trostlosen Situation auf dem Arbeitsmarkt
gar nicht laut zu sagen: Irgendwie stellen sich die beiden auf der
suche nach dem Job ihres Lebens blöd an. Die eine glaubt naiv
an die Soforteinstellung und ist maßlos enttäuscht, bietet
man ihr ein unbezahltes Praktikum an. Schließlich hat sie
doch, das wiederholt sie ständig, ein Hochschulstudium abgeschlossen!
die andere wiederum klammert ssich unsicher an Bewerbungsbücher
und besucht Seminare für Vorstellungsgespräche…"
LVZ online 10/2003 (Jana Hensel) |
|
| |
|
|
| die
Regisseurin über "Dunkler Lippenstift macht seriöser"
(pdf 68 kB) |
| |
| |
|
|
Wie das ZDF versucht, mit Animationsformaten die Welt
zu erklären
Torsten Wahl
Die Anpreisungen verheißen Besonderes: Als "öffentlich-rechtliches
Themenfernsehen im besten Sinne: charmant und kurzweilig, publikumsaffin
und authentisch" kündigt das ZDF sein neues "dokumentarische
Animationsformat" an. Doch wann zeigt der Sender seine Innovation?
Um halb drei in der Nacht zum Dienstag! Da wird der Sendetitel zur Frage
an die Autorin: "Was tust du eigentlich?" Doch Regisseurin Katrin
Rothe nimmt die Ausstrahlung im nächtlichen Niemandsland erstaunlich
gelassen hin. Ihr ist wichtig, dass sie demonstrieren kann, was dieses
Format vermag.
In zwei Wochen eine Folge
In "Was tust du eigentlich?" stellt sie Menschen aktuelle und
grundsätzliche Fragen wie "Was tust du gegen den Klimawandel?"
und unterlegt die O-Töne mit Animationen, die auf den ersten Blick
herrlich anachronistisch wirken. Denn statt mit Computertricks wird mit
Papier, Schere, Kleber und Stift mal putzig illustriert, mal überspitzt
oder ironisch kommentiert. Einige der zehn kurzen Episoden stehen schon
seit ein paar Wochen auf der Website heute.de, eine Folge wurde versuchsweise
im Anschluss an das Magazin "Mona Lisa" ausgestrahlt - ohne
weitere Folgen.
Katrin Rothe hat die Hoffnung, dass ihre Methode, aktuelle Diskussionen
anders widerzuspiegeln, weitere Chancen bekommt. Alle zwei Wochen könne
sie mit ihrem Team eine Folge liefern. "Jeder glaubt doch insgeheim,
dass jeder so denkt wie er selbst. Doch wir zeigen, wie weit die Spanne
reicht." Die animierten Bilder sieht sie nicht nur als Illustrierung,
sondern als Verstärkung des Gesagten. In die Collagen fließe
der Charakter der Interviewpartner ein.
Schon mit ihrer vorigen Serie hatte Katrin Rothe bewiesen, dass Zeichentrickszenen
für sie nicht nur ein optischer Gimmick sind, sondern Authentisches
betonen können. In der Doku-Soap "Stellmichein!", die im
letzten Jahr mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet worden war
und die das ZDF heute Nacht wiederholt, begleitet sie fünf Arbeitslose
bei ihrer Jobsuche. Zentrale Szenen, wie die Bewerbungsgespräche,
werden als Zeichentrick gezeigt. Katrin Rothe betont, dass Kameras, falls
sie von den Personalchefs überhaupt gestattet worden wären,
die Situation zu stark verändert hätten und rekonstruierte deshalb
die Gespräche aus Sicht der Arbeitssuchenden. "Ich ließ
mir alles so genau wie möglich erzählen: wer wann in welches
Zimmer ging, sogar, welche Farbe der Teppich hatte."
Ihr Stil erregte Aufmerksamkeit und führte zu Folgeaufträgen.
Derzeit kümmert sich Katrin Rothe um die Animationsszenen zu ihrem
ersten Spielfilm - der Hauptheld von "Die Ex bin ich" ist überhaupt
nur im Zeichentrick zu sehen. Der Film spielt im Milieu von Hausbesetzern
und blickt vom Jahr 1991 auf die Zeit nach dem Mauerfall zurück.
Die aus Thüringen stammende Katrin Rothe hat wie ihre Helden eine
Zeit lang in besetzten Häusern gelebt und seit 1991 an der Hochschule
der Künste "Visuelle Kommunikation" und "Experimentelle
Filmgestaltung" studiert. Doch während viele Kommilitonen von
vornherein nicht vorhatten, mit Filmexperimenten ihren Lebensunterhalt
zu bestreiten, suchte Rothe beharrlich nach Einsatzmöglichkeiten:
"Wozu hat der Staat sonst so viel Geld in unsere Ausbildung gesteckt?"
Als sie merkte, dass ihre Arbeiten immer mehr einen erzählenden,
dokumentarischen Charakter bekamen, fand sie in der ZDF-Programmwerkstatt
"Quantum" des Kleinen Fernsehspiels Auftraggeber, die offen
für ihre Vorschläge sind. Ihre Hausbesetzerzeit liefert bis
heute Impulse: "Wir haben Fernseher zum gemeinsamen Gucken auf die
Straße gestellt - das war damals noch anarchistisch." Auch
ihr aktuelles Werk "Was tust du eigentlich?" wird sie heute
um 21 Uhr im Public Viewing zeigen: Im "Rosengarten" des Weinbergsparks.
Vielleicht gucken hier ja mehr zu als bei der nächtlichen ZDF-Ausstrahlung.
(Torsten Wahl, Berliner Zeitung 7.7.2008) |